Unsere Stimmrechtsausübung in der Praxis

6 Min. Lesedauer 26 Feb 21

Neben dem Engagement bei den Beteiligungsunternehmen ist die aktive Ausübung des Stimmrechts ein wesentlicher Bestandteil unseres Investmentansatzes. Wir sind davon überzeugt, dass die Ausübung unseres Stimmrechts einen Mehrwert schafft und die Aktionärsinteressen unserer Kunden schützt.

Unsere Grundhaltung ist es, das Management unserer Beteiligungsunternehmen zu unterstützen. Gelegentlich jedoch bringen Vorstände Beschlussvorlagen ein, die unserer Meinung nach nicht im besten Interesse des Unternehmens sind; oder Aktionäre reichen Anträge ein, die unserer Meinung nach im Interesse des Unternehmens sind.

Im Jahr 2019 stimmte M&G auf 1.788 Versammlungen ab; auf 673 davon stimmte M&G gegen mindestens eine Beschlussvorlage.

Highlights

Eines der am stärksten beachteten Themen in Großbritannien im Jahr 2019 – und auch 2020 – war, dass die Führungskräfte prozentual gesehen deutlich höhere Pensionsbeiträge erhalten als andere Beschäftigte. In einigen Fällen senken die Unternehmen diese Beiträge freiwillig, damit sie nur noch wenige Prozentpunkte höher liegen als bei der Gesamtbelegschaft. In anderen Fällen ist M&G auf Widerstände gestoßen, wenn es um die Forderung nach verringerten Beiträgen ging. Dies ist ein Thema, das wir aktiv verfolgt haben, und es stand meistens auf der Tagesordnung, wenn wir uns zu Fragen der Vergütung bei den Firmen engagiert haben. M&G erwartet, dass die Vergütungsausschüsse einen glaubwürdigen Aktionsplan vorlegen, um die Pensionsbeiträge der amtierenden Vorstandsmitglieder bis Ende 2022 auf das Niveau der Mehrheit der Belegschaft zu senken. Im Jahr 2019 haben eine Reihe von Unternehmen den Aktionären in dieser Frage nachgegeben. Andere Firmen taten dies jedoch nicht, darunter die Lloyds Banking Group und Standard Chartered. Deshalb haben wir uns gegen deren Vergütungsbeschlüsse ausgesprochen.

Klimabezogene Aktionärsanträge gab es sowohl bei Royal Dutch Shell als auch bei BP. Die Klimaschutzgruppe „Follow This“ beantragte, dass Shell „Ziele festlegt und veröffentlicht, die mit dem Ziel des Pariser Klimaabkommens übereinstimmen, die globale Erwärmung auf deutlich unter 2°C zu begrenzen“. 2019 war das vierte Jahr, in dem dies gefordert wurde. Nach Beratungen zwischen den Aktionären und dem Unternehmen wurde die Resolution zurückgezogen; „Follow This“ begründete diesen Schritt damit, dass er „Shell Zeit geben soll, seine Klimaziele mit dem Pariser Klimaabkommen in Einklang zu bringen“.

BP sah sich auf seiner Jahreshauptversammlung mit dem gleichen „Follow This“-Antrag konfrontiert, der jedoch nicht zurückgezogen wurde. Der Austausch bei M&G zu dem Vorschlag führte dazu, dass wir fondsübergreifend unterschiedlich abstimmten, da die Meinungen verschieden blieben. Eine zweite BP-Umweltresolution stand unter der Schirmherrschaft von „Climate Action 100+“ und wurde von M&G als Mitunterzeichner unterstützt; der BP-Vorstand empfahl diese zur Annahme. Dieser Antrag forderte den Vorstand auf, den Aktionären über seine Strategie zum Erreichen der Ziele des Pariser Abkommens hinsichtlich seiner Investitionsausgaben und der Fortschritte bei relevanten Kennzahlen und Zielen zu berichten. Der Antrag wurde angenommen.

In den USA sind Anträge der Aktionäre eher an der Tagesordnung. Hier wurden bei Chevron und Exxon Mobil klimabezogene Anträge eingebracht; der letztgenannte wurde jedoch vom Unternehmen mit Genehmigung der „Securities and Exchange Commission“ blockiert. Auf der Hauptversammlung von Exxon Mobil standen sieben weitere Aktionärsanträge auf dem Stimmzettel. Sechs davon haben wir unterstützt, und obwohl keiner verabschiedet wurde, erfuhren einige davon viel Zustimmung.

Wir haben weitere Anträge von US-Aktionären zu einer Reihe von Themen unterstützt, beispielsweise politische Spenden, Struktur des Aktienkapitals, kombinierte Vorstands- und Geschäftsführerpositionen und Umweltfragen. Besonders bemerkenswert waren zwei Aktionärsanträge bei der Hauptversammlung von Microsoft. Der erste forderte das Unternehmen auf, „den Aktionären einen Bericht zu den Möglichkeiten vorzulegen, wie das Unternehmen die Einbeziehung von Mitarbeitern, die nicht dem Management angehören, in den Vorstand fördern kann". Der zweite Antrag betraf das geschlechtsspezifische Lohngefälle. Wir unterstützten beide Anträge, da wir die Einbeziehung der Mitarbeiter für unzureichend hielten und mehr Informationen über die Vergütung offengelegt werden sollten. Wir lehnten die Ernennung des Wirtschaftsprüfers aufgrund eines zu langen Mandatierungszeitraums ab, und einige unserer Fonds lehnten den Vergütungsbeschluss angesichts von unterjährigen Erhöhungen ab.

Bei einer Reihe anderer nordamerikanischer Unternehmen wandten wir uns gegen die Wiederwahl von Führungskräften. Dies lag an unseren Bedenken hinsichtlich ihrer Unabhängigkeit, was in der Regel auf ihre langen Amtszeiten zurückzuführen war. Dazu gehörten das Systemdesign-Unternehmen Synopsys, die Bankengruppe US Bancorp und das Chemieunternehmen Eastman Chemical Company.

Bei dem japanischen Baustoffunternehmen Lixil führte ein Kampf um die Corporate Governance zu Veränderungen im Vorstand, die bis zur Rückkehr eines ehemaligen Vorstandsvorsitzenden reichten. Die Auseinandersetzung endete mit einem Sieg der Minderheitsaktionäre, zu denen auch M&G gehört. Ein derartiger öffentlicher Dissens ist in Japan selten, und manche hoffen, dass er ein Erwachen der Aktionärsaktivitäten im Lande markiert. Laut Nikkei Asian Review meldete eine Rekordzahl von 14,8 % der Unternehmen, dass es bei den Versammlungen im Juni 2019 mindestens einen Antrag mit mehr als 20 % Gegenstimmen und Enthaltungen gab. Dies setzte den Aufwärtstrend der zurückliegenden zehn Jahre fort.