Investieren für den guten Zweck: Wie man "echte" Wirkung erzielt

4 min read 5 Mai 21

Eine schnelle Google-Suche nach „Impact Investing“ bringt mehr als 300 Millionen Ergebnisse. Natürlich werden nur sehr wenige davon relevant sein. Doch die vielen Treffer zeigen eines: Es gibt keinen Mangel an Optionen, wenn Sie Geld gewinn- und zugleich zweckorientiert anlegen möchten.

Der Wildwuchs an Produkten bringt jedoch ein Problem mit sich. Wie können Sie bei so viel Auswahl das Richtige für sich finden? Bevor Sie diese Frage beantworten müssen, gilt es noch eine weitere Herausforderung zu bewältigen: Wie können Sie eigentlich echte Impact-Fonds von Produkten unterscheiden, die nur „so tun als ob“? 

Wenn Sie mit einer Investition echte Wirkung erzielen wollen, könnten Sie meiner Meinung nach auf einige wichtige Eigenschaften achten.

Schauen Sie auf die Ziele

Es gibt schlechtere Startpunkte, als sich zunächst einmal die Ziele eines Fonds anzusehen. Bei einem echten Impact-Fonds sollten die nicht-finanziellen Ziele fest in der DNA verankert sein. Die wirkungsbezogenen Ziele sollten mindestens gleichrangig mit den finanziellen sein – nicht nur nachträglich hinzugefügt oder ein nachrangiger Aspekt.

Dieser Fokus auf Wirkung sollte sich natürlich auch in den Anlagen widerspiegeln. Investiert ein Fonds in börsennotierte Unternehmensaktien, zählt für Fondsanleger die von den Unternehmen im Portfolio erzielte Wirkung.

Wie lassen sich Aktien mit positiver Wirkung auswählen? Fondsmanager sollten darauf achten, inwieweit sich die Unternehmen für gesellschaftliche und ökologische Belange einsetzen. Die dadurch erzielte Wirkung muss beabsichtigt und nicht zufällig sein. Und sie sollte sich nicht in Ankündigungen erschöpfen, sondern auch in Taten niederschlagen.

Betrachten Sie den Prozess

Wie bei jeder Anlagestrategie sollte es einen robusten und wiederholbaren Rahmen geben, um Anlagemöglichkeiten jederzeit verlässlich zu bewerten. Bei Impact Investing in Aktien können Sie als Anleger einen mehrstufigen Prozess erwarten.

Eines ist dabei ganz wichtig: Es geht stets um mehr als um den reinen Ausschluss. Ob sich das auf bestimmte Branchen wie die Tabakindustrie bezieht oder auf Unternehmen, die bei nicht-finanziellen Messgrößen schlecht abschneiden: etwa bei Umweltverschmutzung oder Korruption. Ein solches „Screening“ kann nützlich sein, doch ich sehe darin nur einen ersten Schritt. 

Impact-Investoren sollten darüber hinausgehen. Sie sollten auch die positiven Wirkungen eines Unternehmen identifizieren und messen. Eine Möglichkeit ist es, die Ziele für nachhaltige Entwicklung der Vereinten Nationen (SDGs) für Vergleiche heranzuziehen. Diese sind eine allgemein anerkannte Formulierung der dringendsten Herausforderungen für die Menschen und den Planeten. Sie reichen von der Bekämpfung der Armut bis zum Kampf gegen den Klimawandel.

Wir können die Aktivitäten eines Unternehmens einem Hauptziel aus der UN-Liste zuordnen. Zudem können wir alle weiteren relevanten SDGs berücksichtigen. Dann können wir ermitteln, in welchem Umfang eine Firma zur Zielerreichung beiträgt. Ich halte es für wichtig, dabei nicht nur auf den Fortschritt zu blicken, den Unternehmen durch ihre eigenen Produkte und Dienstleistungen im Hinblick auf die SDGs erreichen. Man sollte auch berücksichtigen, inwieweit sie es anderen Unternehmen ermöglichen, eine positive Wirkung zu erzielen.

Den „Impact Investment Case“ mit dem „Financial Investment Case“ verbinden: Damit können Fondsmanager Unternehmen auswählen, die positive Wirkungen mit der Chance auf profitables Wachstum verbinden.

Blicken Sie auf die Ergebnisse

Die Wirkung Ihrer Investitionen zu messen ist ein zentraler Grundsatz des Impact Investing. Meiner Meinung nach sollten Anleger erwarten, dass die Manager von Impact-Fonds über die erzielte Wirkung berichten.

Doch welche Wirkung ergibt sich aus einer Aktienanlage? Das zu messen ist keine exakte Wissenschaft, und daher gibt es eine Reihe von Ansätzen. Einige versuchen, die Wirkung für jede 10.000 € auszurechnen: zum Beispiel gesparte Liter Wasser oder sogar gerettete Leben. Ich denke, dabei besteht die Gefahr einer zu großen Vereinfachung oder einer Rechnung mit zu vielen Unbekannten. Vielleicht kennen Sie die schöne englische Wortkombination „guesstimation”.

Sollte man tatsächlich die Wirkungsbeiträge von Unternehmen auf Portfolioebene aufaddieren, wenn Sie nicht speziell mit Blick auf ein ganz bestimmtes Ziel investieren, wie etwa die Verringerung von CO2-Emissionen? Das ist meiner Meinung nach bestenfalls sinnlos – und schlimmstenfalls unaufrichtig.

Ich halte es für hilfreicher, sich auf die Wirkbeiträge jedes einzelnen Unternehmens zu konzentrieren. Man sollte bewerten, wie reif das Geschäftsmodell eines Unternehmens ist und was es zu den jeweils relevanten UN-Zielen beiträgt. Dabei legen wir je Unternehmen Messgrößen fest, um die Beiträge zum jeweiligen UN-Ziel zu ermitteln. Unter dem Strich können wir damit beurteilen, ob wir mit unserer Investition einen positiven Beitrag leisten. 

Wie auch immer Fondsmanager im Detail die Wirkung messen: Transparenz gegenüber den Investoren ist das A und O. Mitteilen, was wir als Wirkung sehen; und weiter entwickeln, wie wir diese Wirkung messen: So können wir den Unterschied zwischen „echtem“ Impact Investing und bloßem Greenwashing unterstreichen. 

Der Wert der Vermögenswerte des Fonds und die daraus resultierenden Erträge können sowohl fallen als auch steigen. Dies führt dazu, dass der Wert Ihrer Anlage steigen und fallen wird, und Sie bekommen möglicherweise weniger zurück, als Sie ursprünglich investiert haben.

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