Investieren für eine integrative globale Gesellschaft

10 Min. zu lesen 3 Apr 20

Der Wirtschaftsnobelpreisträger Amartya Sen bringt es auf den Punkt, wenn er sagt: „Armut ist der Mangel an Chancen“

Neben dem Zugang zu Bildung und Gesundheitsversorgung ist die Verfügbarkeit grundlegender Finanzdienstleistungen entscheidend dafür, dass Menschen der Armut entkommen und ein besseres Leben führen können.

Doch nach Angaben der Vereinten Nationen haben 2,5 Milliarden Menschen keine Möglichkeiten, Finanzdienstleistungen zu nutzen – das ist mehr als die Hälfte aller Erwachsenen weltweit1. Damit kann die überwältigende Mehrheit der Ärmsten der Weltgesellschaft nicht in Sicherheit Geld sparen oder langfristig Darlehen aufnehmen. 

Die Förderung der finanziellen Inklusion sollte für diejenigen von uns, die mit ihren Investments eine positive Wirkung erzielen wollen, an vorderster Stelle stehen. So können wir sowohl zur Bewältigung einer der grössten Herausforderungen der Weltgesellschaft beitragen, und gleichzeitig darauf abzielen, die Wachstumschancen zu nutzen, die sich daraus erschliessen werden.

Finanzielle Inklusion fördern

Die elementarsten Finanzdienstleistungen ermöglichen es jedem Einzelnen von uns, sich gegen Notlagen zu schützen und in unsere Zukunft zu investieren. Ob jemand Zugang zu diesen Dienstleistungen hat oder nicht, beeinflusst die Chancen auf eine Verbesserung seiner wirtschaftlichen Lage grundlegend.

Für die Finanzschwachen verbessert der Zugang zu Krediten, um ein Unternehmen aufzubauen oder das Dach zu reparieren, zu Sparprodukten, um Geld für die Familie oder den Ruhestand zurückzulegen sowie zu Versicherungsprodukten, um sie in schwierigen Zeiten zu schützen, ihre Chancen auf ein erfülltes und gesundes Leben.

Das kann Entwicklungsländern dabei helfen, aus dem Teufelskreis der Armut auszubrechen und einen positiven Kreislauf des Wirtschaftswachstums zu beginnen.

Stärkung von Randgruppen 

In Indien geht die extreme Armut zwar zurück, aber immer noch leben dort schätzungsweise 76 Millionen Menschen von weniger als 1,90 Dollar pro Tag2. Immer stärker wachsende Städte werden zu einer zusätzlichen Herausforderung für das Land mit der zweithöchsten Bevölkerungszahl der Welt. Dieser Trend wird durch die steigende Nachfrage nach Wohnraum noch verschärft. Das vorrangige Ziel von Organisationen wie der Housing Development Finance Corporation (HDFC) ist die Förderung von Wohneigentum in Indien durch die Bereitstellung langfristiger Hypotheken für Familien mit niedrigen und mittleren Einkommen. Neben Krediten, die auch Unternehmen für den Bau und Kauf von Gewerbeimmobilien angeboten werden, bietet die HDFC durch ihre mehr als 4.800 Filialen Dienstleistungen in den Bereichen Versicherungen und Vermögensverwaltung an.

Bei einem entscheidenden Messwert für die finanzielle Inklusion macht Indien grosse Fortschritte: Zwischen 2011 und 2017 ist der Anteil der Erwachsenen mit einem Bankkonto von 35% auf 80% gestiegen. 

Die finanzielle Integration nimmt auch in Georgien zu, wo nach dem Ende des Kommunismus und des Bürgerkriegs Anfang der 1990er Jahre kaum finanzielle Infrastruktur übriggeblieben ist. Der Anteil der Erwachsenen mit Konten stieg zwischen 2011 und 2017 von 33% auf 61%. Als eine der beiden wichtigsten Privatkundenbanken des Landes spielt die Bank of Georgia eine wichtige Rolle bei der Förderung der finanziellen Inklusion von unteren bis mittleren Einkommensgruppen. 

Ich denke, dass beide Unternehmen positive soziale Wirkungen erbringen, denn sie ermöglichen Millionen von Menschen Zugang zu grundlegenden Finanzdienstleistungen, ohne dabei ausbeuterisch zu sein. Damit stehen sie im Einklang mit mehreren UN-Zielen für nachhaltige Entwicklung, am deutlichsten aber mit Ziel Nummer 8: „Förderung eines dauerhaften, integrativen und nachhaltigen Wirtschaftswachstums“. 

Mit guter Absicht handeln

Impact-Anleger können darauf abzielen, durch unsere Investitionen positive soziale oder ökologische Auswirkungen zu erzielen. Meiner Meinung nach ist es der Gedanke der Intentionalität, der Impact Investing von eher allgemein gehaltenen verantwortungsvollen Investitionsansätzen unterscheidet.

Die Unternehmen, in die wir investieren, sollten ganz bewusst einen positiven Impact anstreben und diesen als Teil ihres Unternehmenszwecks betrachten. Sowohl die HDFC als auch die Bank of Georgia beispielsweise haben das ausdrückliche Ziel, die Gesellschaften, in denen sie tätig sind, weiterzubringen, indem sie für einen breiteren Zugang zu Finanzdienstleistungen sorgen.

Wenn es Unternehmen gelingt, wesentliche Finanzdienstleistungen für diejenigen bereitzustellen, die bisher davon ausgeschlossen sind, können sie meiner Meinung nach einen enormen positiven Einfluss auf den Einzelnen und die Gesellschaft haben. 

Für Investoren in diesem Bereich könnte sich ein solcher Erfolg langfristig in nachhaltigen finanziellen Erträgen niederschlagen. So können sie die Absicht verfolgen, Gutes zu tun, ohne dabei ihre eigenen Anlageziele zu gefährden.

1 https://www.un.org/development/desa/socialperspectiveondevelopment/issues/financial-inclusion.html
2 http://blogs.worldbank.org/opendata/half-world-s-poor-live-just-5-countries

Der Wert der Vermögenswerte des Fonds und die daraus resultierenden Erträge können sowohl fallen als auch steigen. Dies führt dazu, dass der Wert Ihrer Anlage steigen und fallen wird, und Sie bekommen möglicherweise weniger zurück, als Sie ursprünglich investiert haben.

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