Wie sich der Inflationsdruck auf die Fondspositionierung auswirkt – Interview mit Richard Woolnough

7 min zu lesen 19 Nov. 21

Richard Woolnough, Fondsmanager des M&G (Lux) Optimal Income Fund, bewertet angesichts des nahenden Jahresendes die Lage in der Wirtschaft und auf den Märkten. 2021 war ein ruhigeres Jahr als das vergangene in Bezug auf die Marktvolatilität, aber immer noch eine Herausforderung für Anleger festverzinslicher Wertpapiere. Inflationsängste dominieren den Ausblick.

Wie beurteilen Sie die Lage der Weltwirtschaft, Herr Woolnough?

Die Weltwirtschaft hat begonnen, sich von den negativen Auswirkungen von COVID-19 deutlich zu erholen. Die Regierungen und Zentralbanken haben entschlossene und notwendige Maßnahmen im Rahmen einer proaktiven Finanzpolitik ergriffen und die Zinssätze auf einem sehr niedrigen Niveau, sogar bei Null und darunter, gehalten. Dies förderte Ausgaben und schuf Vertrauen. Aber eine Folge einer sich so schnell wieder erholenden Wirtschaft ist natürlich die steigende Inflationsrate in Form von höheren Rohstoffpreisen, Ausgaben für Konsumgüter und Gehältern.

Ein Bereich der Wirtschaft, der angesichts des anziehenden Wachstums und der weiterhin akkommodierenden Zinssätze auf dem Prüfstand steht, sind die Arbeitsmärkte. In einer Reihe von Volkswirtschaften herrscht nahezu Vollbeschäftigung. Die so genannte "Kündigungsquote" – also Menschen, die freiwillig ihren Arbeitsplatz wechseln – war im September so hoch wie nie zuvor. Wir glauben, dass ein sehr dynamischer Arbeitsmarkt künftig potenziell zu höheren Löhnen und einer nachhaltigeren Inflation führen wird.

Wie ist der Fonds in diesem reflationären Umfeld und angesichts der Tatsache, dass die Inflation in der Regel die Anleihenmärkte belastet, aufgestellt?

Betrachten wir zunächst die Rolle von Duration und Unternehmensanleihen. Trotz steigender Inflation bleibt die Geldpolitik mit Zinssätzen nahe Null äußerst locker. Solange die Zentralbanken der Inflation hinterherhinken,  dürfte dies den Credit-Märkten weiter helfen, denn die Ausfallraten werden wahrscheinlich niedrig bleiben. Wir haben uns von Investment-Grade-Unternehmensanleihen auf US-Dollar-Basis hauptsächlich auf europäische Unternehmen verlagert, da wir diese für attraktiver halten. Insbesondere konzentrieren wir uns auf Banken – sie bieten unserer Ansicht nach eine breite Palette von Möglichkeiten, von hoch bewerteten Papieren bis hin zu nachrangigen Anleihen mit hoher Rendite. Außerdem sind die Banken an die Wirtschaftslage gekoppelt, so dass sie in der Regel gut abschneiden, wenn sich die Wirtschaft erholt.

In Bezug auf die Duration denken wir, dass die Kombination aus geld- und fiskalpolitischen Impulsen zu einem stärkeren Wachstum und einer höheren Inflation führen könnte. Dies wiederum wird Druck auf die Staatsanleihen ausüben. Darüber hinaus bieten Staatsanleihen kein günstiges Risiko-Ertrags-Verhältnis, da die Zinssätze in der Regel nahe Null liegen und somit nur ein begrenztes Kurspotenzial ermöglichen. Vor diesem Hintergrund bleiben wir in unserem Fonds bei einer im Vergleich zum Gesamtmarkt niedrigen Duration.

Aufgrund unseres flexiblen Ansatzes für den Fonds gibt es weitere Instrumente, die uns die Freiheit geben, zwischen verschiedenen festverzinslichen Anlageklassen – wie Investment-Grade-Anleihen, Staatsanleihen und Hochzinsanleihen – zu wechseln und sogar in Aktien zu investieren, die maximal 20 % des Gesamtwertes ausmachen dürfen. Wir bevorzugen Aktien von Unternehmen, die in zyklischen Branchen tätig sind, da diese traditionell von einer anziehenden Konjunktur profitieren. Dazu gehören zyklische Konsumgüter, Energie und das Gesundheitswesen. 

Wir sind auch auf den Inflationsmärkten aktiv. Wir kaufen oder verkaufen Staatsanleihen, die an die Inflationsrate gekoppelt sind – also indexgebundene Anleihen – um die zukünftige Entwicklung der Inflation abzuschätzen. So haben wir beispielsweise im vergangenen Jahr langlaufende US-TIPS (Treasury Inflation-Protected Securities) erworben. Diese preisten ein sehr niedriges Inflationsumfeld ein, was aber im Widerspruch zu unserer Einschätzung der Lage stand. In diesem Jahr haben wir uns mehr auf japanische und Eurozonen-Linker konzentriert. Letztere haben wir erst kürzlich reduziert, da die Inflation in der Eurozone überraschend gestiegen ist und die Inflationserwartungen deutlich zugenommen haben. Wir haben auch eine untergewichtete Position in britischen inflationsgebundenen Derivativen aufgenommen.

Seit dem 29. Oktober ist der Fonds gemäß der neuen Verordnung der Europäischen Kommission über die Offenlegung nachhaltiger Finanzierungen (SFDR) als Artikel 8-Fonds eingestuft. Können Sie erläutern, welche Änderungen im Fondsportfolio damit verbunden sind?

Eine wichtige Änderung in diesem Jahr war die Einstufung des Fonds als Artikel 8-Fonds gemäß der neuen EU-Verordnung. Seit dem 29. Oktober verfolgen wir einen ESG-Ansatz nach dem „Positive Tilt“-Prinzip. Dieses zielt darauf ab, den Anlegern einen gewichteten durchschnittlichen ESG-Score zu liefern, der über dem der Benchmark liegt. Der Fonds wird auch seine normativen ESG-Ausschlüsse erweitern, z. B. Unternehmen, die gegen die Prinzipien des Global Compact der Vereinten Nationen (UNGC) verstoßen, und Staatsanleihen von Ländern, die vom Freedom House Index als "nicht frei" eingestuft werden.   

Wie sehen Sie angesichts des Inflationsdrucks die Wirtschaftslage 2022?

Wir halten an unseren positiven Aussichten für das Wirtschaftswachstum für den Rest des Jahres 2021 und bis ins Jahr 2022 fest. Eine Folge der Erholung ist jedoch die Inflation - wie oben erörtert. Wir glauben dass diese letztlich, und vermutlich auch dauerhafter,  höher sein wird als das, was wir in früheren Inflationszyklen gewohnt waren. Wir sind daher einerseits vorsichtig, zu viel Duration zu halten, und andererseits, in überbewertete Märkte für Unternehmensanleihen einzusteigen. Dennoch halten wir weiterhin nach attraktiven Gelegenheiten Ausschau, insbesondere in Europa und im Vereinigten Königreich sowie in Sektoren wie dem Finanzsektor.

Die Hauptrisiken, die die Wertentwicklung des Fonds beeinträchtigen könnten:

  • Der Wert der Vermögenswerte des Fonds und die daraus resultierenden Erträge können sowohl fallen als auch steigen. Dies führt dazu, dass der Wert Ihrer Anlage fallen und steigen wird. Es gibt keine Garantie dafür, dass der Fonds sein Ziel erreichen wird, und Sie bekommen möglicherweise weniger zurück, als Sie ursprünglich investiert haben.
  • Anlagen in Anleihen werden durch Zinssätze, Inflation und Kreditratings beeinflusst. Es ist möglich, dass Anleiheemittenten keine Zinszahlungen leisten oder das Kapital nicht zurückzahlen. Alle diese Ereignisse können den Wert der vom Fonds gehaltenen Anleihen verringern.
  • Hochzinsanleihen bergen in der Regel ein größeres Risiko, dass die Anleiheemittenten möglicherweise nicht in der Lage sind, Zinszahlungen zu leisten oder das Kapital zurückzuzahlen.
  • Der Fonds kann Derivate einsetzen, um von einem erwarteten Wertzuwachs oder -rückgang eines Vermögenswertes zu profitieren. Falls der Wert des Vermögenswertes unerwartet schwankt, wird der Fonds einen Verlust erleiden. Der Einsatz von Derivaten durch den Fonds kann erheblich sein und den Wert seines Vermögens übersteigen (Hebelung). Dies hat den Effekt, dass der Umfang der Verluste und Gewinne vergrößert wird, was zu stärkeren Wertschwankungen des Fonds führt.
  • Die Anlage in Schwellenmärkten ist mit einem größeren Verlustrisiko verbunden, unter anderem aufgrund höherer politischer, steuerlicher und wirtschaftlicher Risiken, Wechselkursrisiken und aufsichtsrechtlicher Risiken. Es kann Probleme beim Kauf, Verkauf, der Verwahrung oder Bewertung von Anlagen in diesen Ländern geben.
  • Der Fonds ist in unterschiedlichen Währungen engagiert. Derivate werden eingesetzt, um die Auswirkungen von Wechselkursschwankungen zu minimieren, können diese jedoch nicht immer vollständig beseitigen.
  • ESG-Informationen von externen Datenanbietern können unvollständig, unrichtig oder nicht verfügbar sein. Es besteht ein Risiko, dass die Anlageverwaltungsgesellschaft ein Wertpapier oder einen Emittenten falsch beurteilt, so dass ein Wertpapier zu Unrecht in das Portfolio des Fonds aufgenommen oder daraus ausgeschlossen wird.
  • Weitere mit diesem Fonds verbundene Risiken sind im Prospekt des Fonds aufgeführt.
  • Die in diesem Dokument zum Ausdruck gebrachten Ansichten sollten nicht als Empfehlung, Beratung oder Prognose aufgefasst werden.

Der Fonds ermöglicht die weitgehende Verwendung von Derivaten.

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Der Wert der Vermögenswerte des Fonds und die daraus resultierenden Erträge können sowohl fallen als auch steigen. Dies führt dazu, dass der Wert Ihrer Anlage steigen und fallen wird, und Sie bekommen möglicherweise weniger zurück, als Sie ursprünglich investiert haben.

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