Stehen wir am Scheideweg zur Rezession?

4 min zu lesen 27 Apr. 22

Der geldpolitische Zyklus steht eigentlich vor einer Phase der Straffung – um die wirtschaftliche Entwicklung zu steuern und die Inflation zu bekämpfen. Daher lohnt ein genauer Blick auf die Frage: Wie wahrscheinlich ist eine Rezession und eine damit verbundene erhebliche Volatilität der Zinssätze und Kredite? Im Allgemeinen gehen wir davon aus, dass eine Rezession drei wirtschaftliche Signale voraussetzt:

  • Erstens eine umgekehrte Renditekurve. Die Zentralbanken straffen ihre Politik und der Markt spiegelt ihnen zurück, dass sie erfolgreich waren und der Kurve voraus sind.
  • Zweitens ein angespannter Wohnungsmarkt. Dieser bestätigt, dass die Zentralbanken tatsächlich der Kurve voraus sind.
  • Drittens gehört in den entwickelten Volkswirtschaften traditionell ein Energieschock dazu. Dieser dämpft den Verbrauch und bewegt die Zentralbanken zu einem verschärften Kampf gegen die Inflation.

Quelle: M&G, Bloomberg, 31. März 2022 (letzte verfügbare Daten) *Daten aus dem Jahr 2000 berücksichtigen sowohl neue als auch bestehende Wohnungsbestandsdaten. 

Wenn wir uns die US-Wirtschaft als Ampelanlage vorstellen, dann sehen wir auf den ersten Blick zwei rote und eine grüne Ampel. Daran lässt sich ablesen, dass Warnzeichen vorhanden sind – doch das Ergebnis ist nicht ganz eindeutig. Denn es stehen eben nicht alle Ampeln auf Rot. 

Schauen wir uns die drei Signale also einzeln an. Sind sie so zuverlässig wie in der Vergangenheit? Und steht eine Rezession vor der Tür? Nun sind die letzten Jahre aus wirtschaftlicher Sicht nicht gerade normal verlaufen. Lassen Sie uns daher ein pessimistisches und ein optimistisches Szenario untersuchen.

Mehr rote als grüne Ampeln?

Für das pessimistische Szenario ließe sich so argumentieren: Die Renditekurve ist der wichtigste Indikator für eine Rezession. Zudem könnte die derzeit grüne Ampel für den Immobilienmarkt schnell auf Rot umspringen. Denn die letzten zwei Jahre haben zu einer rasanten Blasenbildung auf dem Immobilienmarkt geführt – aufgrund der außergewöhnlichen Geldpolitik und des veränderten Verbraucherverhaltens während des Lockdowns. 

Vereinfacht gesagt: Wenn man zu Hause bleiben muss, ist man bereit, einen größeren Teil seines heutigen – und künftigen – Vermögens für eine Immobilie auszugeben. Zweifellos ist die Lage dieses Mal anders als in früheren Phasen; der Indikator könnte also unzuverlässig sein. Zudem könnte die Ampel schnell auf Rot springen, wenn die Immobilienblase nach einer Wiedereröffnung der Wirtschaft platzt. Deshalb sollten wir dieses grüne Signal ignorieren.

Mehr grüne als rote Ampeln?

Auch für eine optimistische Betrachtung ließe sich das Argument „Diesmal ist es anders“ heranziehen. Ansatzpunkt wäre ebenfalls die Renditekurve: Die Zentralbanken haben die langfristigen Zinssätze im Zuge der quantitativen Lockerung (QE) nach unten gedrückt. Diese Intervention hat die Signalwirkung der Renditekurve stark beeinträchtigt. Die Laufzeitprämie wurde also durch die lockere Geldpolitik zerstört. Daher sollten wir dieses rote Licht ignorieren. 

Eine optimistische Argumentation könnte auch bei der roten Ölpreisampel ansetzen, etwa mit folgendem Tenor: Der prozentuale Preisanstieg vor Beginn des Ukrainekriegs war einfach eine Erholung des pandemiebedingten Ölpreisverfalls. Die rote Ampel sollte daher ebenfalls ignoriert werden. Dies entspricht dem Argument der US-Zentralbank, dass es sich beim Anstieg der Inflation um ein vorübergehendes Phänomen im Zuge der Corona-Pandemie handelt.

Steht also eine Rezession vor der Tür?

Alle oben genannten Argumente haben etwas für sich. Versuchen wir also, einige weitere Signale für die wirtschaftliche Stärke zu finden. Was könnte uns noch einen Hinweis darauf geben, ob eine Rezession bevorsteht oder nicht?

Eine Rezession ist definiert als zwei aufeinanderfolgende Quartale mit negativem Wirtschaftswachstum. Das ist deswegen ein Grund zur Sorge, weil eine Rezession zu mehr Arbeitslosigkeit führt. Daher denke ich, dass die aktuelle Lage auf dem Arbeitsmarkt im Fokus stehen sollte. Das folgende Schaubild macht sehr deutlich, wie gesund die US-Wirtschaft war bzw. ist. Denn es zeigt, dass die Nachfrage nach Arbeitskräften größer ist als die Zahl der Arbeitssuchenden.

Quelle: Bloomberg, 31. März 2022 (letzte verfügbare Daten).

Die wirtschaftlichen Folgen einer Rezession werden durch eine erhöhte Arbeitslosigkeit spürbar. Das Schaubild oben macht jedoch klar, dass es bis zu einem solchen Anstieg noch ein weiter Weg ist. Angesichts dieses überzeugenden Beweises wage ich die Behauptung: Es steht keine Rezession vor der Tür. 

Die wirtschaftliche Entwicklung wird sich verlangsamen, da die US-Notenbank Fed die Geldpolitik – mit der üblichen Verzögerung – strafft. Auch das Wirtschaftswachstum wird begrenzt sein, weil bei Vollbeschäftigung das potenzielle Wachstum definitionsgemäß durch das fehlende Angebot an Arbeitskräften eingeschränkt ist.

Daher nochmal: Aus meiner Sicht bleibt eine Rezession in naher Zukunft unwahrscheinlich. Die Geldpolitik kann also weiter gestrafft werden, und im Kreditbereich muss in naher Zukunft kein Ausfallzyklus eingepreist werden. Wir werden die drei oben genannten Signale weiterhin genau beobachten und sie in künftigen Blogbeiträgen ausführlicher untersuchen.

Der Wert der Vermögenswerte des Fonds und die daraus resultierenden Erträge können sowohl fallen als auch steigen. Dies führt dazu, dass der Wert Ihrer Anlage steigen und fallen wird, und Sie bekommen möglicherweise weniger zurück, als Sie ursprünglich investiert haben. Die frühere Wertentwicklung stellt keinen Hinweis auf die künftige Wertentwicklung dar.

von Richard Woolnough

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