Investment Evolution - Pariser Klimaabkommen - Welche Fortschritte wurden seit der COP 26 erzielt?

5 min zu lesen 31 Okt. 22

2015 verpflichteten sich nach vielen Jahren der Verhandlung fast alle Staaten der Erde, die Weltwirtschaft zukünftig klimafreundlich zu gestalten. Das Pariser Klimaabkommen macht Reduktionsziele für Treibhausgasemissionen erstmals wissenschaftlich transparent und quantifizierbar. 

Im November 2021 haben sich die Staats- und Regierungschefs der Welt in Glasgow getroffen. Auf der UN-Klimakonferenz COP 26 ging es um den Klimawandel und um Wege, die Ziele des Pariser Abkommens schneller zu erreichen. COP steht für „Conference of the Parties“ (Konferenz der Vertragsparteien) des Rahmenübereinkommens der Vereinten Nationen über Klimaänderungen (United Nations Framework Convention on Climate Change, UNFCCC). Die COP 26 ist die 26. Tagung der Vertragsparteien des Übereinkommens. Vor der COP 27 in Ägypten werfen wir einen Blick auf die erreichten Fortschritte – und auf die Herausforderungen, die im Jahresverlauf entstanden sind.

Die Geopolitik hat sich vorgedrängt, doch die Klimafragen bleiben

Ein wichtiger positiver Aspekt der COP 26 war, dass Klimafragen und die dringende Notwendigkeit, CO2-Emissionen zu reduzieren, in den Mittelpunkt des allgemeinen Interesses rückten. Seitdem sind allerdings geopolitische Themen in den Vordergrund getreten. Der Einmarsch Russlands in die Ukraine hat eine humanitäre Krise ausgelöst. Zudem hat er Turbulenzen im globalen Energiesystem verursacht, da Russland weniger Gas liefert und die Energiepreise in die Höhe geschossen sind.

Die Regierungen müssen sich mit vielen neuen Problemen auseinandersetzen – doch der Klimaschutz hat nichts an Dringlichkeit verloren. Im April stellte der Weltklimarat IPCC klar: Ohne „sofortige und tiefgreifende Emissionsreduzierungen“ lassen sich die Ziele des Pariser Abkommens nicht erreichen.1 Dürreperioden, Überschwemmungen und andere extreme Wetterereignisse haben in diesem Jahr gezeigt, wohin Untätigkeit führen kann.

Kehrtwende bei fossilen Brennstoffen

Auf russisches Gas können oder wollen sich viele Länder nicht mehr verlassen. Angesichts dessen suchen sie nach anderen Quellen, um ihren Energiebedarf zu decken. Erneuerbare Energien allein genügen nicht für die Grundlastversorgung und natürliche Nachfragespitzen. Darum überdenken einige Länder ihre Kernenergiepolitik; viele haben auf andere fossile Brennstoffe zurückgegriffen, um die Lücken kurzfristig zu schließen.

Auf der COP 26 haben sich zwar viele Staaten verpflichtet, aus der Kohleverwendung auszusteigen oder sie zu reduzieren. Dennoch wird die Nachfrage nach Kohle im Jahr 2022 einen historischen Höchststand erreichen. In China stieg die Kohleproduktion in der ersten Hälfte des Jahres 2022 um 11 %.2 Die Regierung genehmigte allein im ersten Quartal Pläne für den Bau neuer Kohlekraftwerke mit einer Leistung von mehr als 8 Gigawatt.3 Im Vereinigten Königreich und in den USA verzögert sich die Schließung von Kohlekraftwerken. Zugleich hat Deutschland Kohlekraftwerke wieder in Betrieb genommen, um Stromausfälle zu verhindern. Ähnliche Entwicklungen sind auf der ganzen Welt zu beobachten.

Dies wird die Emissionen kurzfristig zweifellos ansteigen lassen – andernfalls wären jedoch die sozialen Folgen katastrophal: Wenn Energie zu teuer oder knapp wird, müssen Unternehmen schließen, Menschen verlieren ihren Arbeitsplatz und Familien können ihre Häuser nicht mehr heizen.

Weitere Investitionen in saubere Energie

Der Krieg in der Ukraine hat deutlich gemacht, welche Nachteile es hat, sich zur Deckung des Energiebedarfs auf externe Regime zu verlassen – und dass die Dekarbonisierung der Energieversorgung und die Energiesicherheit Hand in Hand gehen. Saubere Energie wird in vielen Ländern eine wichtige Rolle spielen, wenn es um eine sichere Energieversorgung und um Kostensenkungen geht.

Erfreulicherweise hat dies zu weiteren Investitionen in Technologien für saubere Energie geführt. Nach Angaben von BloombergNEF erreichten die weltweiten Investitionen in erneuerbare Energien im ersten Halbjahr 2022 ein Rekordhoch von 226 Mrd. USD.4

Darüber hinaus sind mehrere Regierungen neue, mutige Verpflichtungen eingegangen. Die Europäische Union hat ihre Dekarbonisierungsziele vorgezogen und im Rahmen des RepowerEU-Plans einen beschleunigten Ausbau der erneuerbaren Energien angekündigt. In den USA sieht der „Inflation Reduction Act“ Investitionen in Milliardenhöhe vor: für die Erzeugung erneuerbarer Energien im Inland, Lösungen zur Dekarbonisierung und bessere Energieeffizienz.

Unternehmen leisten positive Beiträge

Es ist ermutigend zu sehen, dass auch Unternehmen zum Kampf gegen den Klimawandel beitragen. Seit November 2021 haben sich mehr als 1.500 weitere Firmen auf die Einhaltung wissenschaftsbasierter Ziele verpflichtet. Damit hat sich die Gesamtzahl auf über 3.500 erhöht. Wissenschaftsbasierte Ziele zur Emissionsreduktion stimmen nach allgemeiner Überzeugung mit den Zielen des Pariser Abkommens überein – also den Temperaturanstieg auf unter 1,5 °C des vorindustriellen Niveaus zu begrenzen.

Langfristige Perspektive

Der Kampf gegen den Klimawandel ist ein langfristiges Unterfangen. Er erfordert Maßnahmen in allen Regionen und Branchen, und er lässt sich nicht über Nacht gewinnen. Das Jahr 2022 hat zweifellos den kurzfristigen Fortschritt unterbrochen. Neue Herausforderungen sind entstanden, die neben den Maßnahmen zum Klimaschutz angepackt werden müssen. Doch wir sind überzeugt, dass die Dynamik sowohl bei Unternehmen als auch bei Regierungen zunimmt. Niedrigere Emissionen und die Verwirklichung des Netto-Null-Protokolls stehen immer stärker in ihrem Fokus. Dass saubere Energie potenziell zu mehr Energiesicherheit und sinkenden Kosten beitragen kann, sollte für zusätzlichen Rückenwind sorgen.

Als langfristige Investoren gehen wir davon aus, dass der Klimawandel in den kommenden Jahrzehnten weiterhin ganz oben auf der Agenda stehen wird. Für uns gilt daher: Auch künftig berücksichtigen wir bei der Analyse potenzieller oder bestehender Beteiligungen die Risiken und Chancen des Klimawandels. Dies umfasst auch die Maßnahmen, die ein Unternehmen diesbezüglich ergreift.

Investieren für eine bessere Zukunft

Bei M&G glauben wir, dass sich die Investmentbranche weiterentwickeln muss. Kurzfristiges Denken und Streben nach schnellen Gewinnen halten wir für den falschen Weg. Vielmehr gilt aus unserer Sicht: Investitionen erfordern vorausschauendes Denken, eine langfristige Perspektive und ein aktives Engagement bei den Unternehmen – um ihnen zu helfen, sich anzupassen und einen sinnvolleren und nachhaltigeren Einfluss auf unsere Welt auszuüben. 

Wenn es um die drängendsten Probleme der Welt geht, gibt es keine schnelle Lösung. Doch mit pragmatischen und maßvollen nachhaltigen Investitionen können wir auf eine bessere Zukunft für alle hinarbeiten – mit guten Renditen für die Anleger und guten Ergebnissen für den Planeten.

1 IPCC-Pressemitteilung, 4. April 2022.
2 Quelle: https://www.reuters.com/world/china/china-no-closer-peak-coal-despite-record-renewable-capacity-additions-2022-08-22/
3 Quelle: https://www.greenpeace.org/eastasia/press/7488/plans-for-new-coal-plants-in-china-rebound-with-8-63-gw-approved-in-the-first-quarter-of-2022/
4 Renewable Energy Investment Tracker, 2H 2022, BloombergNEF.

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