Anleihen aus Schwellenländern – ein Marktsegment im Wandel

6 min zu lesen 17 März 26

Im Segment der Schwellenländeranleihen positionierten sich viele Investoren früher nur im Rahmen taktischer Engagements. Doch dank struktureller Verbesserungen in Bezug auf die Glaubwürdigkeit der Politik, die Haushaltsdisziplin und die Markttiefe ist der Bereich der Schwellenländeranleihen inzwischen fester Bestandteil diversifizierter Portfolios. Wir halten Anleihen aus Schwellenländern attraktiv für Investoren, die eine dauerhafte Anlage in einem Marktsegment anstreben, das durch starkes Wachstum, zunehmende Glaubwürdigkeit und Diversifikation gestützt wird. 

Unsicherheit und Kursturbulenzen haben bisher die Schlagzeilen der 2020er Jahre geprägt. Dabei haben geopolitische Spannungen, Zölle und Handelskonflikte die Finanzmärkte vor vielfältige Herausforderungen gestellt. Bemerkenswert ist, dass die Schwellenländer in diesem Umfeld eine erhebliche Widerstandsfähigkeit gezeigt haben. Dies liegt zum Teil daran, dass die Auslöser erhöhter Volatilität in den entwickelten Ländern angesiedelt sind und sich global auswirken. Damit sind wir heute weit entfernt von den Zeiten, in denen die Emerging Markets als Segment betrachtet wurden, das unter hausgemachten Problemen leidet.

Anlagen in Schwellenländern weisen mittlerweile eine ähnliche Volatilität auf wie die Märkte in den entwickelten Volkswirtschaften. Angesichts des nach wie vor attraktiven Ertragsniveaus in den Emerging Markets ergibt sich daraus eine attraktive risikobereinigte Rendite.


Der US-Dollar erlebte 2025 seinen schwächsten Jahresauftakt seit Jahrzehnten, und erfahrungsgemäß profitieren Schwellenländer-Anlagen tendenziell in einem solchen Umfeld. Die Dollar-Abwertung ist zwar nicht der einzige maßgebliche Faktor, hat aber dazu beigetragen, dass Schwellenländeranleihen in lokaler Währung eine Outperformance erzielt haben. Die Frage lautet nun, ob wir uns am Anfang eines zyklischen Rückzugs des Dollars befinden. Steigende US-Haushaltsdefizite, nachlassendes Wachstum und politischer Wandel sprechen dafür, dass der Glaube an die „Ausnahmerolle” der Vereinigten Staaten erschüttert wird. Daraus könnte eine Rotation in Assets aus Schwellenländern resultieren, die im Gegensatz dazu durch geringere Staatsdefizite und eine tragfähigere Verschuldung gestützt werden. 

Wachsende politische Glaubwürdigkeit

Hinter dieser Entwicklung steht eine verbesserte Glaubwürdigkeit der Schwellenländer, sowohl in Bezug auf die Geld- als auch auf die Fiskalpolitik.

In der Vergangenheit waren die Emerging Markets anfällig für externe Schocks wie die globale Finanzkrise. Doch seither haben die Regierungen und Zentralbanken der Schwellenländer glaubwürdige Rahmenbedingungen geschaffen, die einen gewissen Schutz vor solchen externen Ereignissen bieten.

Dies hat sich über den letzten Konjunkturzyklus hinweg gezeigt, in dem die Schwellenländer nicht mehr nur auf die US-Geldpolitik reagierten, sondern einen eigenen Kurs verfolgten. Die Zentralbanken in den Emerging Markets trugen dem Inflationsschub während der Corona-Krise frühzeitig Rechnung und vermochten damit die Teuerungsdynamik abzuschwächen. So erhöhte beispielsweise die brasilianische Zentralbank ihren Leitzins 12 Monate vor der ersten Zinserhöhung durch die US-Notenbank. Durch dieses entschlossene Vorgehen konnte zum einen die Inflation in den Schwellenländern relativ schnell eingedämmt werden. Zum anderen profitierten viele aufstrebende Volkswirtschaften auch von positiven Realzinsen, was attraktive Anlagechancen eröffnete.

Die verbesserte Glaubwürdigkeit der Politik in den Schwellenländern ist eine der am meisten unterschätzten Veränderungen im globalen Anleihensegment.


Aus fiskalpolitischer Sicht profitieren die Schwellenländer von niedrigen Schuldenquoten sowie einem verbesserten Ruf in Bezug auf ihre Haushaltsdisziplin. Das zeigte sich beispielsweise in der positiven Rating-Entwicklung im Jahr 2024, als die Bonitätsnote von 14 Schwellenländer heraufgesetzt wurde – das beste Jahr in punkto Netto-Upgrades seit 20111.

In einer Zeit, in der sich viele Anleger zunehmend um die Tragfähigkeit der US-Verschuldung sorgen, profitieren die Schwellenländer von relativ niedrigen Schuldenständen. Die durchschnittliche Schuldenquote der Schwellenländer und Volkswirtschaften der mittleren Einkommenskategorie liegt bei 75 %, während sie in den entwickelten Staaten 110 % beträgt2. Stabile Schuldenstände schaffen einen Puffer, um globale Schocks besser abfedern zu können.

Zwar ist die Toleranz vieler Marktteilnehmer gegenüber der Verschuldung in Schwellenländern niedriger. Doch ein wichtiges Maß für die Tragbarkeit der Verschuldung sind die Zinszahlungen als Prozentsatz der Staatseinnahmen. In dieser Hinsicht gibt es eine Konvergenz zwischen den Emerging Markets und den entwickelten Staaten, wobei bestimmte Schwellenländer wie Chile und Polen im Vergleich zu etablierten Volkswirtschaften ähnliche oder sogar niedrigere Zins-Einnahmen-Relationen aufweisen3.

Darüber hinaus erwartet der Internationale Währungsfonds (IWF), dass die Regierungen der Schwellenländer im Jahr 2026 eine straffere Fiskalpolitik verfolgen werden. Das steht im Gegensatz zu den entwickelten Staaten, wo sich die öffentlichen Haushaltssalden verschlechtern dürften.

Untermauert wird dies durch andere aktuelle Trends in den Schwellenländern, wo eine allgemeine Verbesserung der Devisenreserven zu beobachten war. Gleichzeitig spricht die wachsende Bedeutung der lokalen Anleihenmärkte für noch mehr Stabilität und Autonomie.

Unseres Erachtens machen diese Faktoren ein strategisches Engagement in Schwellenländeranleihen immer attraktiver. Gestützt wird das Segment durch sich verbessernde Fundamentaldaten und eine wachsende Unabhängigkeit vom US-Konjunkturzyklus, was vor allem auf die Entwicklung glaubwürdiger, autonomer geld- und fiskalpolitischer Rahmenbedingungen zurückzuführen ist.

Schwellenländer als Wachstumsmotor

In einer Zeit, in der die etablierten Volkswirtschaften noch immer mit Wachstumssorgen und anhaltender Inflation zu kämpfen haben, stellen sich die Aussichten für die Schwellenländer günstiger dar.

Im Jahr 2025 war das Wachstum in den Schwellenländern höher als erwartet. Dazu trug eine Kombination verschiedener Faktoren bei, darunter Verbesserungen der geldpolitischen, gesamtwirtschaftlichen und fiskalischen Rahmenbedingungen4. Die Emerging Markets sind in den letzten Jahrzehnten recht stetig schneller gewachsen als die entwickelten Länder – und dies dürfte auch so bleiben. Der IWF hatte für die Schwellen- und Entwicklungsländer für das Jahr 2025 ein Wachstum um 4,2 % prognostiziert, während die etablierten Volkswirtschaften um lediglich 1,6 % zulegen sollten. Diese Prognose hat sich im Rückblick im Wesentlichen bestätigt.

Das Wachstum der Schwellenländer profitiert auch von einer positiveren demografischen Dynamik. 85 % der Weltbevölkerung leben in den Emerging Markets5, wobei viele Schwellenländer von anhaltendem Bevölkerungswachstum und günstigeren Altersstrukturen profitieren. Dies sorgt für zusätzliche Wachstumsdynamik durch eine größere Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter sowie ein größeres Potenzial für den Binnenkonsum. Unterdessen haben die entwickelten Länder mit den Belastungen durch einen Rückgang der Erwerbsbevölkerung und steigende Staatsverschuldung infolge alternder Bevölkerung zu kämpfen.

Glaubwürdigkeit der Unternehmen?

Nicht nur die Lage der Staaten in den Schwellenländern ist positiv, auch die Bonität der dortigen Unternehmen hat sich stetig verbessert.

Viele Firmen in den Emerging Markets zeichnen sich durch günstigere Verschuldungskennzahlen mit niedrigerer Nettoverschuldung und besseren Zinsdeckungsquoten aus. Das gilt sowohl für Unternehmen mit Investment-Grade-Rating als auch für Hochzinsemittenten.

Das Segment der Schwellenländeranleihen bietet weiterhin einen attraktiven Renditevorteil gegenüber Anleihen aus entwickelten Ländern, insbesondere in Bezug auf Hochzinspapiere. Bemerkenswerterweise geht dies mit einer höheren Bonität einher: Rund die Hälfte des Schwellenländeranleihen-Segments weist ein Rating im Bereich Investment Grade auf, und dieser Anteil steigt weiter dank zahlreicher Heraufstufungen von Staaten und Unternehmen. Viele Schuldner aus den Emerging Markets sind finanziell in besserer Verfassung als vergleichbare Hochzinsemittenten. Dennoch sind ihre Spreads weiter, was zu einer Bewertungsdiskrepanz führt, die zunehmend die Aufmerksamkeit der Anleger auf sich zieht.

Die Prämie für Schwellenländeranleihen dürfte trotz der soliden Fundamentaldaten fortbestehen, da es sich um einen weniger gut verstandenes Marktsegment handelt, das über viele Branchen und Länder diversifiziert ist. Das eröffnet Anlegern mit Emerging Markets-Kompetenz eine gute Gelegenheit, Diskrepanzen auf Bewertungsebene zu ihrem Vorteil zu nutzen.

Schwellenländeranleihen: Diversifizierung als Vorteil

Der Markt für Schwellenländeranleihen bietet Anlegern Zugang zu einer Vielzahl von unterschiedlichen Volkswirtschaften, politischen Rahmenbedingungen und Wachstumspfaden. Die jüngsten Zollturbulenzen – insbesondere die von der US-Regierung unter Donald Trump ausgelösten – haben den Vorteil der Diversifizierung innerhalb des Schwellenländeranleihen-Segments vor Augen geführt. Länder wie beispielsweise Brasilien und Vietnam veranschaulichen, wie abweichende Wirtschaftsstrukturen zu Unterschieden in Bezug auf Risiken und Widerstandsfähigkeit führen können.

Trotz anfänglicher Marktturbulenzen nach der Ankündigung der US-Zölle im April 2025 haben sich die Schwellenländeranleihen-Spreads seitdem eingeengt. Das deutet darauf hin, dass sich Anleger zunehmend auf die Fundamentaldaten statt auf Schlagzeilen konzentrieren. Das weitgefasste Schwellenländeranleihen-Segment mit fast 100 investierbaren Ländern bietet reichlich Möglichkeiten, länderspezifische Risiken zu mindern und von strukturellen Veränderungen wie Nearshoring und intraregionalem Handel zu profitieren.

Darüber hinaus haben die Zollstreitigkeiten Zweifel an der Dauerhaftigkeit der Ausnahmestellung der USA aufkommen lassen, was eine Abkehr von stark auf den US-Markt ausgerichteten Portfolios beschleunigen könnte. Mit attraktiven Zusatzerträgen, sich verbessernden Fundamentaldaten, glaubwürdigerem politischen Umfeld und einer möglichen Dollarabwertung sticht der Schwellenländeranleihen-Bereich positiv hervor – insbesondere angesichts wachsender Probleme in den entwickelten Ländern. Vor diesem Hintergrund sind wir überzeugt, dass jetzt ein guter Zeitpunkt ist, um die Rolle von Schwellenländeranleihen im Portfolio neu zu bewerten.

1 Fitch Ratings, ‘Emerging market sovereigns benefit from net positive rating actions’, (fitchratings.com), 18. Oktober 2024
2 Internationaler Währungsfonds, “Gross debt position”, (imf.org), April 2025
3 Weltbank, “Interest payments (% of revenue)”’, (worldbank.org), November 2025
4 Internationaler Währungsfonds, World Economic Outlook (imf.org), Oktober 2025
5 Financial Times, “Emerging markets has become a redundant term”, (ft.com), September 2024

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