Sieben Argumente für Schwellenländeranleihen

5 min zu lesen 17 März 26

2025 war ein gutes Jahr für Anleger in Schwellenländern. Angesichts geopolitischer Turbulenzen und eines schwierigen makroökonomischen Umfelds haben sich Schwellenländeranleihen als widerstandsfähig erwiesen: Sowohl Staatsanleihen in Landeswährung als auch in Hartwährung erzielten auf Jahressicht Renditen im zweistelligen Prozentbereich. Ähnlich positiv entwickelten sich Unternehmensanleihen.

Die gute Wertentwicklung des Schwellenländeranleihen-Segments ist keineswegs auf 2025 beschränkt, sondern spiegelt die strukturelle Entwicklung dieses Anlagesegments wider. Dank zunehmender Glaubwürdigkeit der Politik, haushaltspolitischer Disziplin und größerer Markttiefe haben sich Schwellenlandanleihen zu einer soliden Anlageklasse entwickelt, deren Volatilität mittlerweile der von Anleihen aus Industrieländern ähnelt.

Dies ist besonders relevant in einer Zeit, in der die Ausnahmestellung der USA zunehmend in Frage gestellt wird und auch andere entwickelte Staaten mit politischen Schwierigkeiten und zunehmenden Haushaltsproblemen zu kämpfen haben – ein Trend, der sich so bald nicht umkehren dürfte. Für Anleger, die Möglichkeiten zu Diversifizierung suchen, könnte jetzt der passende Zeitpunkt sein, um das Schwellenländeranleihen-Segment wieder verstärkt in Betracht zu ziehen.

In diesem Artikel erläutert Charles De Quinsonas, Leiter des Bereichs Emerging Market Debt bei M&G Investments, was aus seiner Sicht die Entwicklung der Schwellenländer antreibt, wie sich die dortigen Fundamentaldaten verbessern und wie M&G Investments Chancen in dieser sich weiterentwickelnden Anlageklasse nutzen kann.

Was macht Schwellenländeranleihen derzeit zu einer attraktiven Anlagegattung?

Das Schwellenländeranleihen-Segment ist derzeit sehr interessant, da es meist attraktive Renditen und echte Diversifizierungsvorteile bietet. Eine wichtige Veränderung im Laufe der Jahre ist, dass die Volatilität von Anleihen aus Schwellenländern zurückgegangen ist und nun viel näher an der in den entwickelten Ländern liegt. Dies ist auf strengere politische Rahmenbedingungen und eine bessere Haushaltsdisziplin in vielen aufstrebenden Staaten zurückzuführen. Wir registrieren auch strukturelle Verbesserungen: niedrigere Schuldenquoten, glaubwürdige Geldpolitik und solide Wachstumsaussichten. Schwellenländeranleihen eignen sich also nicht mehr nur als taktische Anlage, sondern entwickeln sich für viele Investoren zu einer strategischen Assetklasse. Hinzu kommen ein schwächerer US-Dollar, das steigende US-Haushaltsdefizit und Bedenken hinsichtlich der Tragfähigkeit der Verschuldung in den entwickelten Ländern. Dies sind allesamt Faktoren, die ein günstiges Umfeld für Schwellenländer-Anlagen schaffen.

Was ist für Sie derzeit der überzeugendste Indikator?

Für mich ist der wichtigste Indikator die höhere reale Rendite. Viele aufstrebende Länder bieten positive Realrenditen, was in den etablierten Volkswirtschaften eher selten ist. Nehmen wir zum Beispiel Brasilien: Die Zentralbank hat dort frühzeitig und aggressiv die Zinsen angehoben, viel früher als die US-Notenbank (Fed). Das bedeutet, dass Anleger in Brasilien attraktive Realzinsen bei kontrollierter Inflation erhalten. Ein weiterer wichtiger Faktor sind die Bonitätsratings. Im Jahr 2024 wurden die Ratings von 14 Schwellenländer heraufgestuft, die höchste Zahl an Netto-Heraufstufungen seit 2011. Betrachtet man die Schuldenquote im Verhältnis zum BIP, so liegt diese in Schwellenländern und Staaten mit mittlerem Einkommen im Durchschnitt bei etwa 75 %, verglichen mit 110 % in entwickelten Ländern. Das deutet auf eine Verbesserung der relativen Haushaltssituation hin.

Wie sind die Fonds von M&G Investments positioniert, um diese Chancen zu nutzen?

Unser Emerging Markets Debt Team verfolgt einen stark bottom-up-orientierten Ansatz. Wir widmen viel Zeit der fundamentalen Analyse von Ländern und Emittenten und kombinieren quantitative Modelle mit qualitativen Einblicken, um Wendepunkte zu erkennen und spezifische Risiken zu vermeiden. Wir betrachten Staats- und Unternehmensanleihen gemeinsam und nicht isoliert voneinander und verwenden eigene Tools für die Beurteilung der Schuldentragfähigkeit und interne Ratings. Darüber hinaus stehen wir in direktem Kontakt mit Emittenten und politischen Entscheidungsträgern, was uns Vorteile verschaffen kann. Hinzu kommt, dass wir von einem der größten Credit Research-Teams in Europa unterstützt werden. Es umfasst über 50 Analysten mit durchschnittlich 14 Jahren Erfahrung.

In welchem Land oder Sektor sehen Sie die größten Chancen?

Generell bevorzugen wir Anleihen in lokaler Währung, wobei Lateinamerika besonders im Fokus steht. Länder wie Brasilien und Mexiko zeichnen sich durch hohe Realzinsen und eine strenge Haushaltsdisziplin aus. Auch in Zentralasien sehen wir zahlreiche Chancen, etwa in Ländern wie Usbekistan, Kirgisistan und Kasachstan. Auf der Unternehmensseite erscheinen uns Firmen mit geringer Verschuldung und hoher Zinsdeckungsquote attraktiv, zumal die Spreads größer sind, als es die Fundamentaldaten vermuten lassen. Der Reiz des Schwellenländeranleihen-Bereichs liegt in seiner Vielfalt mit fast 100 investierbaren Ländern. Das ermöglicht uns, von strukturellen Trends wie Nearshoring, Wachstum des regionalen Handels und günstigen demografischen Entwicklungen zu profitieren.

Wie hebt sich M&G Investments in dieser Anlageklasse von anderen Anbietern ab?

Aus meiner Sicht kommt es auf drei Dinge an: Flexibilität, eingehendes Research und Erfahrung. Wir folgen einer unbeschränkten Strategie, sodass wir die besten Ideen aus den Bereichen Staatsanleihen, Unternehmensanleihen und Lokalwährungsanleihen ganzheitlich nutzen können. Unser Research ist klar bottom-up ausgerichtet und konzentriert sich darauf, Wendepunkte zu antizipieren und gleichzeitig Risiken zu managen. Das ist ein Eckpfeiler unserer Arbeit, da für uns Diversifizierung und nicht Konzentration den Kern unserer Anlagephilosophie darstellt. Außerdem verfügen wir über eines der größten Analystenteams in Europa, sodass wir nicht auf externe Ratings angewiesen sind.

Was ist Ihrer Meinung nach die wichtigste Entwicklung, die sich in den kommenden Jahren auf die Schwellenländer auswirken wird?

Es gibt mehrere wichtige Aspekte: Erstens die weitere Verbesserung der geld- und finanzpolitischen Rahmenbedingungen in den Schwellenländern, was für die Stabilität eine entscheidende Rolle spielt. Zweitens die Demografie: 85 % der Weltbevölkerung leben in Schwellenländern, und viele dieser Länder haben eine wachsende Bevölkerung im Erwerbsalter, was das langfristige Wachstum begünstigt. Hinzu kommen strukturelle Veränderungen wie die Energiewende, die Neuausrichtung der Lieferketten und die digitale Transformation. Und schließlich könnte es zu einer anhaltenden Abkehr von Portfolios mit US-Fokus kommen, da Investoren die Sonderstellung der USA in Frage stellen und andernorts Wachstumspotenziale suchen.

Wie schätzen Sie die Aussichten für die Anleihenmärkte der Schwellenländer ein?

Wir sehen Schwellenländer-Anleihen optimistisch. Ihr Zinsaufschlag ist attraktiv, die Fundamentaldaten verbessern sich und die Glaubwürdigkeit der Politik ist stärker denn je. Besonders attraktiv erscheinen Lokalwährungsanleihen, da sie positive Realrenditen bieten und bei einer Abschwächung des Dollars von einer möglichen Währungsaufwertung profitieren könnten. Die Spreads von Hartwährungsanleihen sind nach wie vor interessant, auch wenn Investment-Grade-Anleihen allmählich teurer werden. Insgesamt lassen Schwellenländeranleihen Rendite, Wachstum und Diversifizierung in einer Zeit erwarten, in der die entwickelten Länder vor wachsenden Herausforderungen stehen. Für Anleger, die widerstandsfähige Portfolios aufbauen möchten, ist das Emerging Market Debt-Segment eine überzeugende Anlageoption.

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